Geschafft! Die Meisterprüfung für Damenkleidermacher

Von 24.-28. Juni 2019 hatte ich die Meisterprüfung für Damenkleidermacher, und ich habe sie geschafft! Natürlich bin ich überglücklich, dieses Ziel erreicht zu haben, aber selbst einen Monat später hab ich es glaub ich immer noch nicht realisiert…😅

Nun habe ich in der Zwischenzeit eine Woche Urlaub gemacht und auch sonst habe ich versucht, etwas abzuschalten (was gar nicht so einfach ist), und heute möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen. Ich habe auch schon einige Anfragen bekommen, wie das so ist als Quereinsteiger, genau hierauf möchte ich mich jetzt konzentrieren bei meiner Schilderung.

Eines vorweg: man kann die Prüfung auch als Quereinsteiger schaffen, aber Spaziergang ist es keiner.

Aber der Reihe nach: die Meisterprüfung besteht aus 5 Modulen, nämlich :

1. Praktische Prüfung: hier muss eine englische Jacke für Damen angefertigt werden, vom Schnitt bis zur fertigen Jacke. Dafür hat man 23, maximal 25 Stunden Zeit. Insgesamt muss man drei Entwürfe einreichen (eine Modezeichnung), aus denen die Kommission dann die auswählt, die man bei der Prüfung nähen soll. Die Jacke muss eingesetzte Ärmel haben (glatt, keine eingereihten), einen echten Ärmelschlitz mit mindestens 10 cm Länge und mindestens 1 Knopfloch (paspoliert oder handgenäht), die Kassurnaht muss von Hand genäht sein, die Taschen dürfen nicht in der Teilungsnaht enden – weitere Details kann man im Gesetzestext finden

2. Mündliche Prüfung, diese umfasst sämtliche Themen wie Verarbeitung, Materialkunde (ein seeehr großer Themenbereich), Änderungslehre, Arbeitssicherheit usw

3. Schnittzeichnen – hier muss man nach einem vorgelegten Modebild und vorgegebenen Maßen den Grundschnitt sowie den Schnitt zeichnen, ein Schnittlagebild und eine Kalkulation erstellen

4. Unternehmerprüfung – die wurde mir aufgrund meines abgeschlossenen Wirtschaftsstudiums angerechnet

5. Ausbilderprüfung – um Lehrlinge ausbilden zu können, braucht man die. Ich habe sie noch vor mir, aber diese Prüfung bezieht sich nicht direkt auf das Schneiderhandwerk

Der Vorbereitungskurs für die Meisterprüfung fand im WIFI Linz statt, startete im Oktober 2018 und ging bis Ende Mai. Kurse sind jedes zweite Wochenende jeweils Freitag und Samstag und ich bin froh, keinen einzigen Kurstermin verpasst zu haben, denn es gab keinen Termin, bei dem ich nicht wahnsinnig viel gelernt hätte.

Den Platz im Kurs (maximale Teilnehmerzahl 10) hab ich erhalten, nachdem ich insgesamt 3 Kurse in Schnittkonstruktion absolviert hatte (alle im WIFI Linz) und bei einem Gespräch mit der Innungsmeisterin bisher von mir genähte Stücke vorgelegt hatte.

Es muss einem klar sein, dass sich dieser Kurs an Schneiderinnen richtet, die eine Lehre oder Modeschule absolviert haben und im Beruf tätig sind. Das bedeutet, dass es nicht reicht, über Grundkenntnisse im Nähen zu verfügen und hin und wieder zu nähen. Auch besonders das Schnittzeichnen möchte ich erwähnen, denn auch wenn die Grundlagen teilweise wiederholt werden, so ist klar, dass es nicht möglich ist, wenn man auf diesem Gebiet noch nichts zu tun hatte.

Ich muss auch sagen, dass ich schon vor dem Kurs beinahe täglich genäht habe, aber ab Kursstart habe ich kaum noch etwas anderes getan. Ich habe den Luxus, als Hausfrau und Mutter meine Vormittage – wenn meine Tochter im Kindergarten war – wirklich nur der Vorbereitung auf die Meisterprüfung widmen zu können. Ich habe also mindestens 4 Stunden täglich gelernt, genäht und geübt, abends meist auch noch. Natürlich kann man von mir nicht auf andere schließen, aber als Quereinsteigerin muss man eventuell einiges noch zusätzlich aufholen, um mithalten zu können, und dafür braucht es Zeit und Engagement. Das alles schreibe ich jetzt nicht, um mir selbst auf die Schulter zu klopfen oder jemand abzuhalten, denselben Weg zu gehen, aber ich möchte einfach betonen, wie wichtig es ist, sich selbst zu motivieren, denn auch wenn es tolle Lehrerinnen gibt – lernen muss man schon selbst!

Apropos Lehrerinnen: die waren durch die Bank richtige Koryphäen! Ich habe so wahnsinnig viel gelernt, schon nach den ersten Kurswochenenden habe ich gedacht, dass es sich jetzt schon ausgezahlt hat, den Kurs zu machen, da war mir noch nicht mal klar, ob ich wirklich zur Prüfung antreten werde.

Auf diesem Bild sind fast alle Kolleginnen zu sehen, außerdem Gabi Puchegger (links außen), die die Prüfungsaufsicht hatte, die Innungsmeisterin Gerda Kainberger hat sich hinten versteckt, auch hinten Ute Obermair von der WKOÖ, rechts außen unsere Materialkunde-Lehrerin Maria Eicher-Hofer, und Brunhilde Sigl von der Meisterprüfungsstelle dritte von rechts

Ich bin unendlich dankbar, dass ich den Kurs machen durfte und natürlich, dass ich die Prüfung bestanden habe! Ich kann nur jedem, der ebenso wie ich dafür brennt, selbst Mode zu machen, dazu raten, sich dahinter zu klemmen und zu versuchen, in den Kurs zu kommen. Im das zu erreichen, ist meine Empfehlung, Kurse in Schnittkonstruktion (nach Müller und Sohn!) zu absolvieren und so viel zu nähen, wie irgend möglich. Schreck nicht zurück davor, Sachen zu nähen, die “sophisticated” sind, es gibt so viel gute Literatur, um sich die Techniken anzueignen – zumindest habe ich das so gemacht.

Wenn du noch Fragen hast, schreib mir einfach!

Liebe Grüße,

Die Schneidermeisterin 😂

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