Bambus Kleid

Schon länger hab ich vor gehabt, ein Schnittmuster für ein Bambus – Oberteil zu machen, wie ich es im Buch “pattern magic” gesehen hatte, aber nie hatte ich die richtige Gelegenheit dazu gehabt, und außerdem: was macht man draus, wenn man das Oberteil hat? Dieses Oberteil muss ja extrem körpernah geschnitten sein, sonst funktioniert das mit diesen den Bambus stilisierenden Falten nicht. Bedarf für ein elegantes eng geschnittenes Kleid hatte ich bisher nicht…

Ende März fand ein Seminar für Damenkleidermacher statt, und wir Meisterprüfungskandidatinnen waren alle dazu eingeladen. Das Beste: wir durften ebenfalls – wenn wir wollten – beim “Vergleichsmodell” mit machen. Das ist kein richtiger Wettbewerb, sondern eine Art Challenge ohne einer Bewertung, es geht einfach darum, die Kreativität dieses Berufes aufzuzeigen. Wer also mitmachen möchte, bekommt einen Stoff zur Verfügung gestellt und muss etwas daraus schneidern. Es ist aber eine Überraschung, um welchen Stoff es sich handelt, das weiß man zuvor nicht! Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen, und es ist dann einfach witzig, zum Schluss zu sehen, was daraus entstanden ist, was also unterschiedliche Kleidermacherinnen in diesem Stoff gesehen haben.

Ich war sofort begeistert von der Idee, habe mich aber zuerst nicht getraut, mich dafür anzumelden (habe ja derzeit ein paar andere Sachen zu nähen….). Aber am nächsten Tag habe ich mir gedacht, warum nicht? Und jetzt bin ich richtig froh. Ich liebe es, zu einem Stoff ein Modell zu designen, das ist meine von mir bevorzugte Herangehensweise beim Designen von Kleidung.

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich zuerst nicht wusste, was ich mit dem Stoff anfangen soll. Ich habe mich nicht vom Fleck weg in den Stoff verliebt – mittlerweile frag ich mich, warum, denn er ist so unglaublich schön! Der Stoff wurde von der Weberei Kitzmüller aus Guglwald im Mühlviertel zur Verfügung gestellt. Es ist ein Halbleinen mit Jacquard Muster, und man kann ihn daher beidseitig verwenden. Wir konnten wählen, ob wir 2m grün und 1m blau oder umgekehrt wollen. Da mir blau nicht so steht war gleich klar, dass ich mehr von dem grüngrundigen Stoff nehmen würde. Für das Modell sollten wir aber beide Stoffe verwenden, und ich glaube, das hat mich zu Beginn eher blockiert. Ich habe aber glücklicherweise genügend Zeit gehabt und musste nicht sofort damit starten – ich konnte also einige Tage darüber schlafen und das war auch gut so.

Es würde jetzt den Rahmen sprengen, hier alle Modelle zu beschreiben, die ich mir überlegt hatte. Schlußendlich bin ich hinsichtlich des grünen Stoffes beim Bambus Oberteil gelandet.

Damit eine Harmonie in dieser Kreation entsteht, habe ich am Rock auch Falten gemacht, bewusst jedoch keine platten Falten, sie sollten eher locker fallen und die Hüfte nur leicht umspielen.

Der Schnitt ist relativ einfach erstellt: Man nimmt einen bereits fertigen Schnitt für ein eng anliegendes Oberteil, wobei die Abnäher in den Taillenabnäher gelegt werden. Dann werden auch diese Taillenabnäher geschlossen und die Bambuslinien eingezeichnet. Wichtig ist, dass die ersten beiden Linien an der Brustspitze enden, sie ersetzen ja die Abnäher in der Taille. Dann wird das ganze aufgeschnitten, Faltentiefe rein gebracht – fertig! Während des Schnittzeichnens bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein V-Ausschnitt, der sich durch die Falten des Bambus Musters ergibt, stimmiger wirkt. Somit erhielt ich 2 Schnittteile.

So weit, so gut. Das Nähen gestaltete sich da etwas schwieriger, aber da ich ein Probemodell angefertigt habe, konnte ich das halbwegs gut im Voraus austesten. Es sollten ja die Nähte von den jeweils darüber liegenden Falten überdeckt werden, und das muß man dementsprechend berücksichtigen. Anders gesagt: man muss Naht für Naht nähen und kann nicht das Zick Zack vorne durchnähen. Man muß eine Naht machen (aber nicht zu weit!), vorsichtig einschneiden und dann erst das nächste Stück. Und es ist viel Nähen von Hand notwendig, da ansonsten die Falten aufspringen und die darunter liegenden Nähte sichtbar werden. Ob ich da etwas falsch gemacht habe oder der Stoff möglicherweise zu steif für dieses Oberteil ist , weiß ich nicht (im Internet finden sich einige Beispiele des genähten Bambus Oberteils, und dort sind die Falten nicht von Hand anstaffiert), ich habe es halt so gelöst.

Natürlich habe ich das Kleid gefüttert, da durch den eng anliegenden Rock das Kleid wandern könnte beim Tragen, und das will man ja nicht. Die Armausschnitte hab ich mit Schrägband versäubert und am Futter anstaffiert.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wo ich den blauen Stoff verwendet habe : als dazu passendes kurzes Jäckchen 😉

Die insgesamt 11 anderen Vergleichsmodelle waren durchgehend atemberaubend und wunderschön, manche so ausgeklügelt durchdacht – es war wirklich beeindruckend! Ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich mitmachen durfte und wenn irgendwie möglich, werde ich auch nächstes Jahr wieder mitmachen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s